Wie sichert man die Unternehmensnachfolge?

Wie findet man eigentlich einen Unternehmensnachfolger und sorgt damit für den Fortbestand des Unternehmens? Diese Frage stellt sich für viele Unternehmer wahrscheinlich nur einmal im Leben. Aber wenn, dann wird’s umfangreich und emotional. Was passiert mit den Mitarbeitern? Was ist der Betrieb eigentlich wert? Welcher neue Eigentümer hat die besten Pläne und Absichten? Kay Hansen aus Buxtehude ahnte nicht, was da alles auf ihn zukommt. Die Geschichte einer mustergültigen Landung.

Auf der Erfolgsspur

Steigende Umsatzzahlen und immer umfangreichere Kontrollraumprojekte – diese positive Entwicklung zeichnet Jungmann Systemtechnik seit Jahren aus.

Mit Kontrolle und Steuerung kennt sich Kay Hansen aus. Seit über 30 Jahren entwickelt er Kontrollräume, vor rund 20 Jahren gründete er mit seinem Freund und Compagnon, Carsten Jungmann, die JST – Jungmann Systemtechnik GmbH & Co KG. Ein Leben auf der Erfolgsspur mit viel Arbeit, Freude und großer Verantwortung. Die JST steht glänzend im Markt. 12 Mio. Euro Jahresumsatz in 2019, auf der Kundenliste das Who-is-Who unterschiedlichster Branchen, die Auftragsbücher prall gefüllt, Innovationspreis des Deutschen Mittelstands 2020.

Auf die Frage, ob sie ihm später in die Geschäftsführung folgen will, winkt seine Tochter ab. „Sie hat miterlebt, wie viel ich gearbeitet habe und zu welcher großen Verantwortung man bereit sein muss, ein Unternehmen zu führen“, erinnert sich Hansen. „So ein Leben kam für sie nicht infrage.“ Auch für Carsten Jungmann bietet sich zu diesem Zeitpunkt keine Nachfolge aus eigener Familie an.

Die letzten Tage im eigenen Betrieb: Kay Hansen schaut zuversichtlich in die Zukunft

Verantwortung abgeben

Kundenkontakte legen der 57-jährige und sein Compagnon in die Hände ihrer 22 Mitarbeiter. Ein guter Anfang. Beide reduzieren ihre Arbeitszeit – zunächst auf vier, dann auf drei Tage pro Woche. Das war wichtig, um die Mitarbeiter in die Eigenverantwortung ihrer Zuständigkeiten zu führen. Stephan Wiese, ein langjähriger Mitarbeiter, wird zum Prokuristen ernannt, der beide Geschäftsführer in vielerlei Hinsicht den Rücken freihält. Doch ein wichtiges Puzzle-Stück auf dem Weg, die JST krisensicher zu machen und auf ein stabiles Fundament zu stellen, fehlt noch. „Was ist, wenn jemandem von uns etwas passiert?“

Überraschende Einsichten

Zusammen mit seinem Gründungspartner hört er sich um. Steuerberater, Rechtsanwälte, externe Berater sind sich einig: Keiner von beiden Eigentümern kann sich aus dem Unternehmen zurückziehen, ohne die Existenz der JST zu gefährden. „Wir waren selbst überrascht, in welcher Situation wir uns befanden“, so Hansen. „Schließlich hätte einer von uns, im schlimmsten Falle beide, jederzeit auch aus gesundheitlichen Gründen für lange Zeit ausfallen können. Unsere Intention war es, die erfolgreiche Zukunft der JST im Sinne unserer Kunden, Mitarbeiter und uns selbst abzusichern. Das funktioniert nur, wenn die JST möglichst unabhängig von uns beiden agieren kann.“

Mit Fingerspitzengefühl

Schnell wird klar: Ein externer Investor muss her, der die Anteile übernimmt, seinen Partner als Geschäftsführer behält und die Erfolgsgeschichte von JST weiterschreibt. Einfacher gesagt als getan. „So etwas geht nun mal nicht per Kleinanzeige“, weiß Hansen. Mitarbeiter und Kunden sollen nicht verunsichert werden. Wettbewerber sollen keine Gerüchte im Markt streuen. Die Suche nach einem neuen Eigentümer muss absolut diskret verlaufen.

Haspa-Firmenkundenberater Torsten Zimmer (Mitte) hat auch die optimale M&A-Beratung im Angebot. Stefan Wiese (rechts) sorgt als Prokurist für Kontinuität.

Nach vielen Gesprächen und Vorüberlegungen steht die Strategie: Mit Hilfe einer M&A-Beratung soll die Sache ins Rollen kommen. Torsten Zimmer und Silvia Linken, die er als Berater der Hamburger Sparkasse mit ins Vertrauen gezogen hatte, stellen Kontakt zum CFC Corporate Finance Contor her – ein Haspa-Joint Venture, spezialisiert auf die Begleitung von M&A-Projekten bei mittelständischen Unternehmen.

Der neue Eigentümer muss zum Unternehmen passen

„Die CFC war für uns wie ein Heiratsvermittler, der die passende Braut findet und die Hochzeit organisiert“, so Hansen. Erster Schritt ist die Unternehmensbewertung. Zwei CFC-Berater befassen sich intensiv mit der JST. Sie erstellen ein Exposé und einen prallgefüllten Datenraum. Hansen: „So systematisch hatten wir die JST noch nie unter die Lupe genommen. Wir haben andere Sichtweisen auf unser eigenes Unternehmen erhalten und den Interessenten größtmögliche Transparenz bis ins kleinste Detail verschafft.“

Hansen und Jungmann sind sich einig. Das Wichtigste ist, dass der neue Eigentümer zum Unternehmen passt und die Philosophie und Kultur, die JST-DNA, voller Überzeugung teilt. „Das bekommen wir hin“, verspricht Dr. Thomas Bister, Managing Director der CFC. Dank der guten Vorarbeit und weitreichenden Netzwerkkontakte kann er bereits nach wenigen Wochen die ersten Interessenten präsentieren. Eine Hand voll kommt in die nähere Auswahl. Intensive Gespräche folgen.

„Es ist beeindruckend, wie ein Profi so eine Aufgabe angeht und welche weitreichenden Überlegungen im Spiel sind“, so Hansen. „Thomas Bister ist ein toller Stratege, gepaart mit großer Ehrlichkeit und Verbindlichkeit, aber auch ein guter Übersetzer, der uns bei jedem Schritt eingebunden und die Bedeutung der einzelnen Schritte sehr gut verständlich erklärt hat. Wir hatten immer ein gutes Gefühl.“

Ein “Perfect Match”

Dann geht alles ganz schnell. In den Gesprächen kristallisiert sich die INDUS Holding AG als Favorit heraus. Die Beteiligungsgesellschaft aus Bergisch Gladbach präsentiert sich als idealer Partner, der auf eine langfristige Entwicklung des Unternehmens abzielt, ohne die mittelständischen Werte von JST zu vernachlässigen. Ein „Perfect-Match“. Kay Hansen verlässt das Unternehmen und Carsten Jungmann bleibt als Geschäftsführer an „Board“ um mit dem INDUS-Team den Erfolgsweg fortzusetzen. Auch die Rechtsform bleibt unverändert, so dass alle Verträge mit Mitarbeitern und Kunden unverändert weitergeführt werden können.

Am 4. Januar 2021 dann das „Closing“ der Verträge. Am Abend gönnt sich Hansen einen guten Tropfen und freut sich auf seinen neuen Lebensabschnitt. Sein Fazit: „Einen neuen Eigentümer zu finden ist ein großes Abenteuer. Aber mit den richtigen Partnern auch eine Lebenserfahrung, die ich nicht missen möchte. Ich freue mich sehr, dass das JST-Team mit der INDUS Holding und meinem Compagnon in eine erfolgreiche Zukunft steuern werden und kann mich nun in aller Ruhe meinen Hobbies – Musik, Reisen und Sport – widmen.“

Infos zum Corporate Finance-Angebot der Hamburger Sparkasse

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