„Wie man sät, so erntet man“

In vielen Branchen drängen Fragen zur Zukunftsfähigkeit der Geschäftsmodelle. Auch, weil der Stellenwert von Nachhaltigkeitskriterien bei Kunden, Geschäftspartnern und Arbeitnehmern weiter steigt. Andreas Mansfeld, Leiter des Unternehmenskundengeschäfts der Hamburger Sparkasse, und Jan Schierhorn, Chef der Das Geld hängt an den Bäumen gGmbH, haben sich zum Erfahrungsaustausch auf einer Streuobstwiese in Finkenwerder getroffen.

Mediaserver Hamburg / UTA GLEISER

Andreas Mansfeld: Herr Schierhorn, Ihre Firma sammelt ungenutztes Obst, vermarktet den Saft und schafft damit Arbeitsplätze für Benachteiligte. Welche Rolle spielt dabei die Nachhaltigkeit?

Jan Schierhorn: Wir haben einen neuen, regionalen Wirtschaftskreislauf geschaffen, bei dem alle Beteiligten profitieren. Ich bin daher sicher, dass das Geschäftmodell dauerhaft trägt und natürlich weiter wächst.

Mansfeld: War es ein Vorteil, dass Sie auf dem Reißbrett planen konnten, ohne auf alte Strukturen Rücksicht nehmen zu müssen?

Schierhorn: Ja, aber auch ein konventioneller Obstbaubetrieb im Alten Land kann sich neu erfinden, wenn der unternehmerische Wille da ist.

Mansfeld: Also alles eine Einstellungsfrage?

Schierhorn: Am Anfang vielleicht. Wenn man sich aber erstmal mit den Fragen beschäftigt, bekommt die Sache eine eigene Dynamik. Der Lohn sind stabile, in sich stimmige Geschäftsmodelle mit einem Kerngeschäft, das sich nicht vor den Fragen kommender Generationen verstecken muss.

Mansfeld: Auch in der Bankenland schaft zeigt sich schnell, ob das Grundgeschäft nachhaltig trägt. Spätestens seit der Finanzkrise 2008 ist klar, dass Akteure, die auf maximale Gewinne setzen und dem Gemeinwohl keinen Nutzen bringen, keine Akzeptanz mehr finden.

Schierhorn: Jede Bank würde doch behaupten, einen gesellschaftlichen Nutzen zu haben – zum Beispiel mit Verweis auf die Sponsoringaktivitäten.

Mansfeld: Richtig, aber die Gesamtbilanz muss eben stimmen: entstehen sichere Arbeitsplätze, wird ausgebildet, was passiert mit den Kundenein lagen…

Schierhorn: Die Menschen haben heute ein feines Gespür dafür, ob eine Unternehmung auf dem richtigen Weg ist, oder nicht.

Mansfeld: Beim Apfelsaft schmeckt man die Herkunft, Geld ist anonym und zieht in Millisekunden um den Globus. Nur klar abgesteckte Aktionsfelder und persönliche Verbindungen schaffen da die nötige Bodenhaftung.

Schierhorn: Auch wir beschränken uns auf das, was wir können und bauen regionale Netzwerke. Das ist nicht nur eine Frage der Transportwege. Es geht auch um Identität und Verantwortlichkeit.

Mansfeld: Sie nutzen zugleich eine Nische, in der Sie nicht dem harten Wettbewerb ausgesetzt sind.

Schierhorn: Neue Produkte und Dienstleistungen starten fast immer in kleinem Maßstab, als Modifikation von Bekanntem und setzen sich durch, wenn ihre Zeit gekommen ist.

Mansfeld: Im StartUpCenter der Haspa werden täglich ein halbes Duzend Geschäftsideen präsentiert. Häufig sind es erfahrene Angestellte, die nun als Unternehmer etwas umsetzen wollen, was sie im alten Kontext nicht konnten.

Schierhorn: So war es auch bei mir. Am Anfang des Projektes stand der Wunsch nach mehr Sinn, einer verbesserten WorkLife-Balance und natürlich einem tollem Produkt.

Mansfeld: Auch die Gründer der Haspa hatten vor 190 Jahren eine ganz einfache Idee: Angestellte und Arbeiter sollten die Möglichkeit bekommen, ihr Geld sicher und verzinst anzulegen. Auch die mittelständischen Unternehmen der Stadt erkannten schnell die Vorteile.

Schierhorn: Nachhaltige Geschäftsmodelle sind oft im Kern ganz einfach und setzen auf Grundbedürfnisse. Wie man sät, so erntet man. Ohne uns läge das Fallobst nutzlos unterm Baum. Ohne die Haspa läge das Geld unverzinst unterm Kopfkissen. Welche Rolle hat denn eigentlich die Überzeugungskraft einer Geschäftsidee bei der Kreditvergabe?

Mansfeld: Bei Investitionskrediten muss der Banker an die Idee glauben und die Zahlen müssen zeigen, dass das Geld auch zurückgezahlt werden kann. Die grundsätzliche Zukunftsfähigkeit des Unternehmens ist aber für uns genau so wichtig. Sie zu beurteilen setzt viel Erfahrung und ein Gespür für die Branche voraus.

Schierhorn: Zukunftsfähigkeit ist keine Frage der Branche. Apfelsaft wurde schon vor tausend Jahren gekeltert. Entscheidend ist doch, wie man es tut.

Mansfeld: Absolut. Regenerative Energien zum Beispiel. Hier trennt sich gerade die Spreu vom Weizen. Als Bank sind wir möglichst nah am Marktgeschehen. Das schaffen wir durch Kundennähe und unsere Spezialisierung auf die Wachstumscluster der Metropolregion.

Schierhorn: Oder Sie picken sich die jeweils besten Rosinen heraus.

Mansfeld: Das überlassen wir gerne anderen. Nachhaltigkeit im Bankgeschäft heißt, an der Seite des Kunden zu stehen – auch wenn es mal nicht so gut läuft. Viele unserer Firmenkunden sind deshalb auch seit Generationen bei uns. Das schafft eine besondere Vertrauensbasis.

Schierhorn: Nachhaltigkeit entsteht auch in der Wertschöpfungskette. Sind die Äpfel ungespritzt, funktioniert das Pfandsystem – alles Fragen, auf die wir eine Antwort geben müssen.

Mansfeld: Das Gleiche gilt für Bankprodukte. Wir agieren daher in einem Verbund fester Partner, die die Sparkassenidee und unsere Qualitätsanforderungen mit tragen.

Schierhorn: Auf der Website der Bundesregierung steht „Nachhaltig ist, von den Zinsen zu leben“. Das dürfte bei der aktuellen Niedrigzinsphase schwierig sein.

Mansfeld: Da haben Sie leider Recht. Man kann es aber auch so lesen, dass man die Unternehmenssubstanz pflegen und „gesund“ wachsen sollte. Damit wäre ich dann sehr einverstanden. Als Sparkasse ist uns diese Maßgabe übrigens in der Satzung fest verankert.

Schierhorn: Das haben wir uns auch auf die Fahne geschrieben. Wachstum aus dem Produkt und der Idee heraus – ohne Marketingdruck und Rationalisierungszwang. Bei der Nachfragelage müssen wir uns allerdings fast bremsen.

Mansfeld: Hört sich gut an. Ich wünsche nachhaltigen Erfolg

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Mehr von dem Autor

Ähnliche Artikel

Letzte Beiträge

Umfrage: So möchten die Hamburger:innen wohnen

Wie wohnt es sich in Hamburg? Was wird gesucht? Wie wird gefunden? Was ist beim Kauf zu beachten? Das Haspa-Trendbarometer hat 500 Hamburgerinnen und Hamburger gefragt.

Kompost statt Plastikmüll

Das Hamburger Start-up Superseven will die Welt plastikfrei machen – mit Folienverpackungen, die C02-neutral kompostierbar sind.

Podcast: Auf der Bank mit … unseren Azubis

In der neuen Folge des Haspa Podcasts sprechen wir mit vier Haspa-Azubis über ihre ersten Tage und Eindrücke.