Sehen wir uns in der Filiale?

Die Haspa öffnet ihre Filialen für nachbarschaftliche Aktivitäten.

Spätestens mit Corona ist der Faktor Nachbarschaft hoch im Kurs. Aber ein lebendiger Stadtteil ist kein Selbstläufer. Er braucht Ideen, Treiber und geeignete Orte. Kann eine Sparkassenfiliale so etwas leisten?

Barmbek oder Blankenese, Wilhemsburg oder Winterhude. Die Frage wo man wohnt ist in Hamburg wichtig. Jedes Viertel und jeder Kiez hat sein eigens Profil. Manches davon ist vielleicht nur ein Klischee. Aber es wirkt. Die meisten Hamburger nehmen es gelassen. Ist erstmal eine geeignete Bleibe gefunden, zeigt auch der Stadtteil schnell seine positiven Seiten. Und viele engagieren sich, damit es in der Nachbarschaft weiter vorangeht. Die Initiativen und Projekte in den Vierteln haben allerdings eins gemeinsam: Sie brauchen geeignete Räume – zentral gelegen, gut erreichbar, wetterunabhängig und möglichst kostenfrei. Davon gibt es nicht viele: Bürgerzentren, Kirchengemeinden, Privatwohnungen. Und seit einiger Zeit auch Sparkassen-Filialen.

Wie ein riesiges Wohnzimmer

2016 startete die Haspa ein neues Filialkonzept. Inspiriert von einer US-amerikanischen Bank entstand die Idee eines Nachbarschaftstreffs, die seither in Hamburg stellvertretend für andere Sparkassen erprobt wird. Mittlerweile sind fast 100 Filialen umgebaut.

Die neuen Räumlichkeiten sind hell und gemütlich wie ein Wohnzimmer. Zugleich aber multifunktional und mit Kapazitäten von zum Teil 100 Gästen und mehr. Es gibt freie Flächen, einen großen „Nachbarschaftstisch“, eine Kaffeebar und eine Multimedia-Wand. Die Filialteams sind Gastgeber und Teilnehmer zugleich. Sie koordinieren die Anfragen, unterstützen bei der Kommunikation und sind selbst mit dabei.

Showroom für die lokale Wirtschaft

„Nach dem Umbau sind wir offen auf unsere Nachbarn zugegangen und haben unsere neuen Räume angeboten“, erklärt Haspa-Sprecherin Stefanie von Carlsburg. Großes Interesse zeigen zunächst die Gewerbetreibenden. Für sie sind die Filialen ein interessanter zusätzlicher Kontaktpunkt mit Ausstellungsflächen, digitalem Schaufenster und Platz für Veranstaltungen, die in den eigenen Räumen so nicht möglich sind.

Das Hamburger Startup Productmate nutzt die Ausstellungsflächen der Haspa-Filiale Jungfernstieg, um neue Kundengruppen anzusprechen.

Die Angebote sind so vielseitig wie die lokale Wirtschaft: Der Buchhändler veranstaltet Lesungen, das Reisebüro lädt zum Vortrag, der Weinhändler zur Weinprobe. Das stärkt nicht nur die Kundenbindung, sondern zugleich das nachbarschaftliche Leben. 

Auch die öffentliche Hand hat die neuen Räumlichkeiten längst für sich entdeckt. Der Bürger-Service stellt Ausweise aus, die Polizei veranstaltet Infoabende zur Betrugs- und Einbruchsprävention, die Kunsthalle bietet Workshops zu aktuellen Ausstellungen an und die Volkshochschule plant, einzelne Seminare hierhin auszulagern.

Mehr Nachbarschaft online und offline

Claudia Rasztar, Kunstvermittlerin der Hamburger Kunsthalle, gestaltet mit Kindern aus der Nachbarschaft impressionistische Bilder und macht damit Neugierig auf eine laufende Ausstellung.

Ein eigens entwickeltes Tool verteilt die Einladungen über die sozialen Medien und digitalen Schaufenster zielgenau im Stadtteil. Interessenten können sich direkt online anmelden. Ein digitaler Veranstaltungskalender schafft den nötigen Überblick über die Events vor Ort. Die App „kiekmo“ stellt zusätzlich ein digitales schwarzes Brett und einen kostenlosen Schließfachservice zur Verfügung. So wird die Nachbarschaft auch online optimal vernetzt.

„Während des Corona-Shutdowns haben wir auch sehr positive Erfahrungen mit Online-Events gesammelt“, berichtet Haspa-Sprecherin Stefanie von Carlsburg. „Insbesondere bei den Senioren im Stadtteil kommt die Mischung aus Internet und realer Nachbarschaft super an.“

Jeder Stadtteil tickt anders

Am „Nachbarschaftstisch“ der Filiale Bahrenfeld ist immer was los – vom spontanen Schnack am Mittag bis zur geladenen Abendveranstaltung.

Nach mehreren hundert Events mit tausenden Teilnehmern entwickeln die Filialen zunehmend eigene Profile. In der Innenstadt dominieren spontane Zusammenkünfte. In den Wohnvierteln am Stadtrand und in den Vororten liegt der Schwerpunkt auf langfristig geplanten und thematisch festgelegten Formaten. Erfolgreiche Themen finden schnell Nachahmer und Wiederholungstermine. „Wir tauschen uns regelmäßig mit anderen Filialteams aus, um auch unserseits Impulse zu geben“, so von Carlsburg. „Aber eigentlich macht die Nachbarschaft das Programm – und so soll es ja auch sein.“

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