Vom Smalltalk zur Hilfe

Nach Feierabend zieht sich Rohan Nagpal (23) seine blau-weiße Collagejacke an
und schlendert zusammen mit seinem alten Schulfreund durch Neugraben. Nur das
Emblem auf den Jacken verrät: Sie sind als „Kiezläufer“ unterwegs, um mit
Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Das fällt ihnen leicht. Denn sie sind selbst
hier aufgewachsen.


Viele kennen die beiden bereits oder haben schon von ihnen gehört. Wenn nicht,
stellen sie sich kurz vor und sind dann schnell im Gespräch. Oft geht es um
Alltagsthemen wie Fußball oder Schule. Ganz normaler Smalltalk eben. Wenn nichts
weiter ist, ziehen die beiden dann weiter ihre Runde. Doch manchmal liegen auch
schwerere Themen in der Luft: Privater Ärger, fehlende berufliche Perspektiven,
Stress mit anderen. Dann lässt Rohan erstmal in Ruhe erzählen, hört gut zu, stellt ein
paar Rückfragen.

Ein guter Zuhörer war er schon immer. Aber er wollte auch etwas bewegen. Das
„Kiezläufer“-Projekt war daher von Anfang an sein Ding. Hier kann er seine Stärken
perfekt einbringen: Kontaktfreudigkeit, Einfühlungsvermögen, Hilfsbereitschaft. Er
selbst kennt das Leben in Neugraben und weiß, wie schwer es manchmal ist, die
richtigen Entscheidungen zu treffen. Oft sind es kleine Anregungen, die Konflikte
aus dem Weg räumen und einen Schritt voranbringen.


Rohan erteilt keine ungebetenen Ratschläge. Aber gute Tipps hat er viele. Er kennt
die Beratungsstellen und Hilfsangebote im Hamburger Süden, hat einen direkten
Draht zum Stadtteilbeirat und weiß, wie man Anträge beim Bezirksamt stellt. Er
selbst hat seinen Weg ins Berufsleben gefunden. Nach dem Abi hat er studiert und
arbeitet heute bei der Haspa in Neugraben als Vermögensberater.


Dort wird ehrenamtliches Engagement auch vom Arbeitgeber gefördert. Die Haspa
lobt jedes Jahr einen Ehrenamtspreis aus. Zehn engagierte Mitarbeitende können
ihre Initiativen und Vereine mit jeweils 1000 Euro unterstützen. Rohans Einsatz
wurde 2021 ausgezeichnet. Mit dem Preisgeld organisierte er eine Teamentwicklung
für seine 35 Kiezläufer-Kolleg:innen. Der enge Austausch in der Gruppe ist wichtig,
um koordiniert und professionell im Stadtteil aktiv zu sein. Träger des Programms ist
der Verein IN VIA Hamburg, der die Ehrenamtlichen intensiv vorbereitet und
unterstützt. Wer sich als Kiezläufer engagieren möchte, kann sich jederzeit dort
melden.


Zahlt sich ehrenamtliches Engagement aus? Für die zwei bis drei Kiezläufe pro
Woche gibt es eine kleine Aufwandsentschädigung. Aber der eigentliche Lohn ist das
Feedback der Leute, berichtet Rohan. „Ich höre dir gerne zu, weil du eine so
angenehme Stimme hast“, sagte mal einer. Ein anderer war einfach nur glücklich,
dass jemand aufmerksam zuhört.

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