Nachwuchs für die Feuerwehr

Ehrenamtliche der Haspa im Einsatz

Er sei immer auf Abruf, sagt Nico Hintz von der Freiwilligen Feuerwehr in Wentorf mit ruhiger Stimme und zeigt auf seinen Pieper. Ich treffe ihn in den Räumlichkeiten seines Arbeitgebers. Für mich hört sich das an, als wäre es das Normalste von der Welt. Für die beiden Feuerwehrleute ist es das anscheinend auch. „Bei einem Hausbrand wird jeder Mann gebraucht, da überlegt man nicht lange“, sagt der 50-Jährige. Jürgen Bohnhoff ist „erst“ nach Feierabend auf Abruf, da es sein Job als Geldwagen-Fahrer nicht anders zulässt. Kennengelernt haben sich die beiden Wentorfer bei der Jugendfeuerwehr, schon in den siebziger Jahren. Ein Leben für die Gemeinschaft, da muss schon viel passieren, dass sie aus der Ruhe kommen, so wirken sie auf mich.

Die Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehr sind vielfältig

Die 86 Freiwilligen Feuerwehren in zwölf Bereichen sind Einrichtungen der Freien und Hansestadt Hamburg. Sie unterstehen – wie die Berufsfeuerwehr – der Behörde für Inneres und Sport. Zu den Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehren gehören die Unterstützung der Berufsfeuerwehr zur Verstärkung des Brandschutzes bei der Abwehr von Brand- und Explosionsgefahren für die Allgemeinheit, den Einzelnen oder erhebliche Sachwerte. Genauso wie die Bekämpfung von gefährlichen Feuern, der Rettungsdienst, die Wasserrettung und die technische Hilfeleistung. Außerdem wirken die Freiwilligen Feuerwehren im Katastrophenschutz mit, in Hamburg also insbesondere bei der Deichverteidigung.

Von der Jugendfeuerwehr zum aktiven Feuerwehrmann

Die Ehrenamtlichen machen ganze 95 Prozent aller Feuerwehrleute aus. Ohne sie könnten zum Beispiel Waldbrände künftig vermehrt außer Kontrolle geraten.

Nico Hintz erinnert sich noch gut an seine Zeit in der Jugendfeuerwehr. „Ein Mitschüler hat mich damals mitgenommen. Mal was reparieren, Sport treiben und mit Gleichgesinnten was zusammen machen, das hat mich überzeugt. Am besten war es allerdings, von Zeit zu Zeit für einen Einsatz den Unterricht zu verlassen. Wie die meisten wurde ich schon mit siebzehn aktiver Feuerwehrmann. Heute kommen leider immer weniger junge Leute zur Feuerwehr.“

Jürgen Bohnhoff hat einen ähnlichen Werdegang hinter sich. „Damals brauchte man dafür nur ein paar Übungen auf dem Hof zu machen. Heute hat sich viel verändert: Die Ausbildung dauert länger und die Freiwillige Feuerwehr ist für fast alles zuständig. Nicht nur Brände löschen wir, sondern wir sind zu achtzig Prozent bei technischen Problemen im Einsatz. Ob der Wasserhahn leckt, die Katze nicht mehr vom Baum herunterkommt oder ein Demenzkranker aus dem Seniorenheim weggelaufen ist, dann sind wir gefragt. Den Mann haben wir mit einer Hundestaffel aus dem Kreis in einem Waldgebiet gesucht. Zum Glück saß er dann aber nur auf einer Bank vor dem Reinbeker Schloss, wo wir ihn nach zwei Stunden gefunden haben.“

Die Kleinsten früh genug an die Feuerwehr heranführen

Alarmierende Zahlen bei den Freiwilligenhelfern

Aber Menschen wie Hintz und Bohnhoff werden rarer in Deutschland. Denn mit der Alterung der Gesellschaft schrumpfen auch die Freiwilligen Feuerwehren. Rund 22.000 gibt es noch in Deutschland (von insgesamt rund 42.000 Feuerwehren insgesamt), aber der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) beobachtet seit Jahren, dass die Zahlen sinken. Diese Zahlen wären bloße Randnotizen, wenn die Freiwillige Feuerwehr lediglich ein Hobby engagierter Bürger wäre, die Zeit mit ihren Nachbarn verbringen und dabei in Form bleiben wollen. Aber die Ehrenamtlichen sind unverzichtbar, in großen Städten genauso wie in kleineren Gemeinden.

Wie sind die Nachwuchsprobleme zu erklären?

Es wird zunehmend schwer, geeigneten Nachwuchs zu finden. Altgediente Feuerwehrleute erreichen das Rentenalter und geben ihren Dienst auf. Einige Feuerwehren müssen sogar schließen. Die Freiwillige Feuerwehr ist letztendlich auch nur ein Spiegel der Gesellschaft. Die deutsche Gesellschaft schrumpft und hat mit den gleichen Problemen wie die Freiwillige Feuerwehr zu kämpfen. Ein anderes Problem ist, dass die Interessen sich in den letzten 50 Jahren verändert haben; mittlerweile sind sie doch sehr individuell. Diese Vereinskultur – und die Feuerwehr ist letztlich auch ein Verein – das hat nicht mehr so den Zulauf. Die Menschen wollen sich nicht mehr lange binden an einen Verein, an eine Aufgabe.

„Die Arbeit wird immer schwieriger“, erzählt Nico Hintz, „wir waren mal 75, jetzt sind wir zwanzig Leute weniger, gleichzeitig müssen wir viel mehr abdecken als früher. Seitdem Rauchmelder vorgeschrieben sind, werden wir viel früher und damit auch öfter gerufen – oft ohne Folgen.“

„Wir müssen außerdem lernen, immer auf dem neuesten technischen Stand zu sein und wir geben mehr Geld für die entsprechenden Geräte aus“, ergänzt Jürgen Bohnhoff.

Manchmal gibt es auch außergewöhnliche Vorfälle

Doch neben all den Schwierigkeiten, gibt es auch diese Momente, von denen man lange zehren kann. Als wir auf die persönlichen Highlights von Hintz und Bohnhoff zu sprechen kommen, werden beide im positiven Sinne doch einmal unruhig. Nico Hintz hat es einer Gesetzesänderung zu verdanken, denn seit 2008 braucht die Feuerwehr für Gebäude, die mehr als drei Stockwerke haben, ein Hubrettungsfahrzeug mit einer Drehleiter. Durch die Errichtung eines Neubaugebiets hat die Gemeinde schließlich ein solches Fahrzeug finanziert und Nico Hintz durfte sich persönlich darum kümmern. „Als wir die Drehleiter abgeholt haben, war ich sehr glücklich. Es bedeutet sehr viel Verantwortung, die sonst nur die Berufsfeuerwehr hat.“

Spektakuläre Eselrettung im Naherholungsgebiet

„Ich persönlich fand die Rettung eines Esels am spektakulärsten“, betont Jürgen Bohnhoff und lacht. „Zwei junge Mädchen sind mit dem Tier im Naherholungsgebiet spazieren gegangen. Es hatte zuvor stark geregnet und der Esel ist so weit im Schlamm eingesackt, dass nur noch sein Kopf zu sehen war. Leben zu retten ist für uns selbstverständlich, ob menschliches oder tierisches.“

Jährlich vergibt die Haspa den Ehrenamtspreis

Die Haspa unterstützt auch weiterhin ihre Mitarbeiter, die ein Ehrenamt ausüben mit dem jährlichen Ehrenamtspreis, für den sie sich bewerben können. Die soziale Einrichtung erhält dann im positiven Fall eine Unterstützung von 1.000 Euro.

Beide sind sich darüber einig, dass es nicht selbstverständlich von einem Arbeitgeber ist, ihnen die Flexibilität und Freiheit zu bieten, die sie brauchen, um ihr Ehrenamt auszuüben. „Und jetzt haben wir auch noch den Ehrenamtspreis der Haspa bekommen“, freut sich Nico Hintz und Jürgen Bohnhoff, der auch Jugendausbilder ist, ergänzt: „Um auf Veranstaltungen für den Nachwuchs zu werben, haben wir eine eigene Seifenkiste für Rennen erworben und für unsere Einsätze einen Akkustrahler, mit dem wir sofort Keller oder Treppenhäuser beleuchten können.“

Was man selbst für den Brandschutz tun kann

Außerdem gab es in der Vergangenheit auch so genannte „Brandschutztage“, bei denen in ausgewählten Haspa Filialen darüber aufgeklärt wurde, was man selbst als Verbraucher tun kann, um das Schlimmste zu verhindern. Rund 600 Menschen kommen in Deutschland jährlich bei Hausbränden ums Leben, viele davon sind Kinder. Sei es nun, dass jemand vergessen hat, den Herd auszuschalten, der Adventskranz Feuer fängt oder jemand mit einer brennenden Zigarette einschläft – Gründe, warum es zu einem Brand kommen kann, gibt es viele. Umso wichtiger ist es, sich mit dem Thema Brandschutz im Eigenheim auseinanderzusetzen. Hier finden Sie dazu weitere Infos.

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