Mit Mut und Idealismus

Norderstedts erster Unverpackt-Laden lädt zum Umdenken ein.

Kathrin Kahnert und Nadia Mispelbaum haben aufgehört die Arbeitsstunden zu zählen, die in ihrem neuen Unverpackt-Laden stecken: „Du wachst morgens damit auf und gehst abends damit ins Bett, eigentlich können wir an nichts anderes mehr denken. Gerade jetzt, kurz vor der Eröffnung ist so viel zu tun. Familie und Haushalt, das läuft gerade einfach so mit“, erzählt Gründerin Kathrin Kahnert. Am 5. Juni 2021 eröffneten die Geschäftspartnerinnen, die
mittlerweile auch befreundet sind, „die Waagschale“, Norderstedts ersten Unverpackt-Laden in der Ulzburger Straße 605 – eine Herzensangelegenheit, finanziert und begleitet vom Haspa Startup-Center.

Die Gründer:innen der Waagschale
Es geht auch ohne Plastikmüll: Bei Kathrin Kahnert und Nadia Mispelbaum wird direkt abgefüllt oder lose mitgenommen. Das kommt bei den Norderstädtern gut an.

„Wir wollen von unseren Kindern später nicht gefragt werden, warum wir nichts gegen den ganzen Plastikmüll getan haben“, erzählt die zweifache Mutter Nadia. Die Kisdorferin erinnert sich noch gut an ihren Entschluss vor knapp vier Jahren: „Bio habe ich schon immer gekauft und gekocht, aber das meiste war in den Supermärkten in Plastik verpackt. Als ich Deutschlands ersten Unverpackt-Laden in Kiel entdeckte, dachte ich, das ist es, so was will ich auch machen!“ Eine Stellenausschreibung von „Stückgut“, dem Unverpackt-Laden in der Rindermarkthalle und Ottensen in Hamburg gab den entscheidenden Impuls, Nadia bewarb sich, wurde genommen und kündigte ihre Festanstellung als Controllerin. „Drei Jahre habe ich bei Stückgut gearbeitet und in dieser Zeit viel gelernt, das kommt uns jetzt zugute“, erzählt sie.

Zwei Frauen, ein Gedanke: endlich weniger Verpackungsmüll

Geschäftspartnerin Kathrin Kahnert kam durch ihre Kinder auf die Idee mit dem Unverpackt-Laden: „Wir haben immer mal wieder Anläufe unternommen, Müll zu reduzieren und weniger Verpackungen zu kaufen, aber mit der Zeit hielt der Schlendrian wieder Einzug. Letztes Jahr im Sommer sagte meine Tochter Lilly: ,Wir müssen wirklich etwas tun, Mama!‘.“ Die Groß- und Außenhandelskauffrau fing an zu recherchieren, suchte nach verpackungsfreien Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe, wurde aber in Norderstedt nicht fündig. „Nach vier Wochen dachte ich: Dann mache ich das eben selbst.“ Kathrin wurde Mitglied im Unverpackt Verband e.V., setzte ein gründungswilliges Fähnchen auf die virtuelle Karte der Website des Verbands und wurde auf eben dieser im Oktober letzten Jahres von
Nadia entdeckt.

„Als wir uns kennenlernten, stellten wir schnell fest, dass das passen könnte. Nadia mit ihrer Erfahrung bei Stückgut, ich als Groß- und Außenhandelskauffrau“, berichte Kathrin. „Und ich fand Kathrins zupackende Art klasse. Sie ist eine echte Macherin“, freut sich Nadia. Das Ladengeschäft in der Ulzburger Straße erschien beiden anfangs zu groß, aber jetzt, wo die Menschen Corona-bedingt lieber mehr Anstand halten, sei die Größe sogar ein Vorteil. Kathrin hatte bereits vor dem gemeinsamen Kennenlernen einen 30-seitigen Businessplan verfasst: „Und dann hat Nadia sich in die Zahlen reingefuchst – das passte prima zusammen.“

Regional und kompetent – da kam nur die Haspa infrage

Netzwerken und die richtigen Leute fragen – unerlässlich für die frisch gebackenen Gründerinnen. So holten sie nicht nur Familie und Freundinnen mit diversen Kenntnissen von PR bis Ladenbau mit ins Boot, sie stellten ihren Plan auch den Wirtschaftssenioren e. V. vor und ließen sich beraten. Dass die neue Hausbank die Haspa werden sollte, war für beide schnell klar. „Wir haben zwar auch Alternativen geprüft, aber uns war es wichtig, eine Filiale vor Ort zu haben, auch für den Bargeldverkehr“, so Nadia. Und Kathrin ergänzt: „Außerdem hatten mein Mann und ich schon gute Erfahrungen bei unserer Hausfinanzierung gesammelt. Unser Berater schlug dann vor, dass wir zum Haspa-StartUp- Center gehen sollten.“ Dort lernten die Gründerinnen Anette Steinbrück, Spezialistin für Start-ups, kennen, die von Idee und Businessplan schnell überzeugt war und die notwendigen Unterlagen schickte: „Kathrin hatte so gut vorgearbeitet, dass wir unseren Plan lediglich anpassen mussten“, lobt Nadia ihre Geschäftspartnerin. „Wir hätten allerdings viel früher zur Haspa gehen sollen, weil die Gründungsberaterinnen echt fit sind und man den Businessplan auch gemeinsam mit dem Start-up Center finalisieren kann“, resümiert die Norderstedterin Kathrin.

Nachhaltig gründen in Corona-Zeiten? Unbedingt!

Gutes Geld für gute Gründungsideen: Haspa-Startup-Beraterin Anette Steinbrück gratuliert den Gründerinnen

Nach eingehender Beratung in diversen Videokonferenzen und per Telefon haben die Gründerinnen über die Haspa 80.000 Euro bei der KfW beantragt und ihre erfolgreiche Crowdfunding-Aktion nicht wie vorher geplant, als festes Kapital in die Finanzierung mit einbezogen. „Das sorgt am Anfang für mehr Liquidität“, so Nadia. Gründen in Zeiten einer Pandemie – ist das nicht auch ein Risiko? Katrin: „Corona hat die Beratungsgespräche insgesamt ein bisschen komplizierter gemacht, aber wir sind hundertprozentig überzeugt von unserer Idee und fühlten uns von der Haspa rundherum bestens beraten und bestärkt. Auch, dass sich Anette Steinbrück zwischendurch einfach mal so erkundigte, wie es uns geht, war ein gutes Gefühl.“

Und wie begründet Beraterin Anette Steinbrück das Engagement der Haspa? „Mal abgesehen davon, dass Nadia Mispelbaum und Kathrin Kahnert mich mit ihrem Konzept persönlich überzeugt haben, sind nachhaltige Geschäftsmodelle wie ihres gut für die Umwelt und den Wirtschaftsstandort Hamburg. Die Nachfrage wächst und damit auch die Erfolgschancen. Mut und Idealismus sind eine starke Kombination – nachhaltige Geschäftsideen dürfen nicht am Geld scheitern.“

Künftig können Norderstedter*innen und alle, die mögen, verpackungsfrei in der„Waagschale“ einkaufen. Von Nudeln bis Müsli, Süßwaren bis zu Hygieneartikeln. Ob in selbst mitgebrachten Behältern oder günstigen Glaswaren vor Ort. „Für uns ist plastikfrei leben keine Trend, sondern eine Lebensaufgabe“, schreiben Kathrin und Nadia auf ihrer Homepage. Eine Lebensaufgabe, bei der sie die Haspa sehr gern unterstützt.

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