Kompost statt Plastikmüll

Katja und Sven Seevers wollen mit ihrem Geschäftspartner Hannes Füting die Welt plastikfrei machen – und zwar mit Folienverpackungen, die C02-neutral kompostierbar sind. Mit dieser Mission gründeten die Produktdesigner 2017 die Superseven GmbH und suchten nach der besten Finanzierung. Von drei Banken machte die Haspa das Rennen. Wie es zur Entscheidung für nachhaltige Verpackungen kam und warum die Haspa für sie die passende Partnerin ist, erzählen sie hier.

Vollkompostierbare Verpackungen von Superseven: Hier gefüllt mit Samen, die in der Packung eingetopft werden können.

Ihr Auftritt in der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ im Mai 2021 war eines der Highlights des noch recht jungen Unternehmens Superseven. „Wir haben uns dort nicht beworben, um den Deal unseres Lebens abzuschließen. Die mediale Aufmerksamkeit war unbezahlbar. Insofern war es nicht tragisch für uns, dass keiner der ,Löwen‘ angebissen hat“, erzählt Gründer Sven Seevers und fährt fort: „Stattdessen riefen nach der Sendung einige Firmen und Investor:innen an, die unsere Geschäftsidee überzeugte.“ Sven und Katja leiten das Büro in Börnsen, wo sie Verkauf, technische Entwicklung und Organisation steuern. Hannes Füting kümmert sich in Berlin um Marketing, Design und Kommunikation. Die Geschäfte führen sie gemeinsam.

„Wir verwenden Cellulose als Grundstoff. Eine Idee, die an sich nicht neu ist. Die ersten durchsichtigen Folien gab es bereits 1908“, erzählt Sven Seevers und führt kurz aus, dass dieses umweltfreundliche Material in den 1950er-Jahren schlicht durch den weit billigeren Kunststoff auf Erdölbasis ersetzt wurde.

„Die massive Masse an Plastikmüll ist heute längst zum globalen Problem geworden. Plastik zersetzt sich nicht und belastet unseren Planeten über mehrere hundert Jahre. Mit unserer Marke Repaq haben wir eine nachhaltige Alternative geschaffen, die Folienverpackungen in nicht einmal einhundert Tagen komplett kompostiert und sie dem natürlichen Kreislauf zurückführt.“

Ihr Werdegang und die Entscheidung, es besser zu machen.

Das Gründungsteam von Superseven: v.l. Hannes Füting, Katja Seevers und Sven Seevers

Die drei Gründer:innen lernten sich 1999 im beschaulichen Coburg kennen. Gemeinsam studierten sie integriertes Produktdesign; einen Studiengang, der neben Kreation auch technisches Knowhow, Maschinenbau und Materialkunde beinhaltet. Ihre beruflichen Wege trennten sich danach vorerst. „Ich habe lange im Werbemittelbusiness für große Firmen gearbeitet und täglich erlebt, was es heißt, auf den halben Cent zu rechnen. Da wird im Zweifelsfall immer auf Kosten der Umwelt das billigste in Asien bestellt“, berichtet Geschäftsführerin Katja Seevers. Hannes Füting entwarf Kollektionen für große Sportartikelhersteller. „Im saisonalen Sportgeschäft werden letztendlich immer wieder ähnliche Produkte hergestellt, nur das Design wird neu entworfen. Alles dreht sich um den Abverkauf. Mit Nachhaltigkeit hat das wenig zu tun“. Auch Sven Seevers erlebte als Verpackungsdesigner und Produktentwickler in einer Agentur vergleichbares: „Ich entwarf aufwendige Verpackungen und Produkte, die nach ihrem Gebrauch im Müll landeten. Wir Designer entscheiden mit, welche Materialien in welcher Komplexität zum Einsatz gebracht werden. An dieser Stelle könnte man ansetzen, um etwas besser zu machen. Doch am Ende hat der Preis den größten Einfluss und das günstige Plastik ist leider meist der Sieger.“

Sven Seevers befasste sich intensiv mit umweltfreundlichen Materialien und in Cellulose, biologisch abbaubar und lebensmittelecht, fand er einen zukunftsträchtigen Grundstoff. „Man kann nahezu alle Produkte nachhaltiger herstellen. Wir haben uns für Verpackungen entschieden, da sie mittlerweile rund 40 Prozent des Müllaufkommens ausmachen und wir darin einen großen Hebel für die Entlastung unseres Planeten sehen.“

Gründen – aber mit welcher Bank?

Katja Seevers: „Vor unserer Gründung hatten wir drei Banken im Blick, eine auf Nachhaltigkeit spezialisierte und zwei klassische Universalbanken. Eine davon war die Haspa, die uns wegen ihres StartUp-Centers empfohlen wurde. Eigentlich wollten wir uns für die spezialisierte Bank entscheiden, doch die Haspa konnte uns mit einer unkomplizierten Kontoeinrichtung und Kreditvergabe und der kompetenten Betreuung von Anette Steinbrück vom Haspa Startup Center überzeugen.“

Sven Seevers ergänzt: „Die Herausforderung an unserer Gründung war, dass es keine langfristigen Erfahrungswerte in der Risikobewertung gab. Wir wussten nicht, wie sich unser Geschäft entwickeln wird. Das war ein Risiko für die Haspa, das sie in Kauf genommen hat. Angefangen haben wir mit Konzepten für die Textilindustrie und dem Versuch, Tragetaschen zu ersetzten. Heute fokussieren wir uns auf Lebensmittelverpackungen.“ Mittlerweile hat die Superseven GmbH mit ihrer Marke Repaq Folien für Produkte wie Müsliriegel, Käse und frisches Gemüse sowie Verpackungen für Kaffee, Kräuter, Cerealien und Nüsse im Portfolio.

„Wir unterstützen unsere Kunden nicht nur bei der Umstellung zu nachhaltigen Verpackungen, sondern bringen darüberhinausgehendes Know-how mit. Wir kennen Produktionsprozesse und die Anforderungen industrieller Fertigung sowie die gesamte Klaviatur von Design und Marketing“, erklärt Hannes Füting. „Als Produktdesigner hat man automatisch die Zukunft im Blick. Wahrscheinlich waren wir deshalb mit unserer Geschäftsidee zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Als das Thema Plastikmüll und Mikroplastik in den Ozeanen zum gesellschaftlich-politisch relevanten Thema wurde, waren wir mit unseren nachhaltigen Folienverpackungen bereits am Markt.“

Mit Marketing, Medienauftritten und Glaubwürdigkeit zum Erfolg

Rückenwind bekam die Superseven GmbH durch mediale Aufmerksamkeit. Bevor die „Löwen“ sie in ihre Sendung holten, wurde das Superseven-Team bereits mit wichtigen Preise ausgezeichnet. 2019 waren sie Zweitplatzierte bei Deutschlands höchstdotiertem Gründerwettbewerb „Start me up!“, ein Jahr zuvor holten sie den Landessieg „KfW Gründen“ der Kreditanstalt für Wiederaufbau für Schleswig-Holstein und gewannen darüber hinaus den Publikumspreis auf der deutschlandweiten Abschlussveranstaltung.

Hannes Füting: „Als wir zum 70. Geburtstag der KfW nach Brüssel eingeladen wurden, konnten wir unsere Story vor einer Vielzahl europäischer Banken präsentieren. Das war ein echter Multiplikator.“ Katja Seevers bringt die Vision von Superseven auf den Punkt: „Wir wollen eine echte nachhaltige Kreislaufwirtschaft in der Müllentsorgung installieren und Plastik für Verpackungen überflüssig machen. Mit der Haspa als Hausbank fühlen wir uns auf unserem Weg bestens begleitet.“

Video: Die Mission von Superseven

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