Innovationen frei Haus

Start-up-Beschleuniger bringen die Hamburger Wirtschaft in Schwung

Sechs Monate volles Programm. Accelerators, englisch für: Beschleuniger, haben sich weltweit als Entwicklungs-Camps für Startup-Unternehmen etabliert. Auch in Hamburg ziehen diese Beschleunigungsprogramme erfolgversprechende Gründerteams an – für die heimische Wirtschaft eine Frischzellenkur in Sachen Digitalisierung.

Die digitale Transformation des Geschäftsmodells ist für viele Unternehmen zur Grundsatzfrage geworden. Es gilt, ergebnisoffene Veränderungsprozesse anzustoßen – ohne Planzahlen und Erfahrungswerte. Die etablierten F+E-Strukturen sind dafür oft wenig geeignet. Sie sind auf eine kontinuierliche Fortentwicklung des Bestehenden ausgerichtet. Disruptive Ansätze sind in dieser Logik nicht vorgesehen.

Einen erfolgversprechenden Ansatz bilden Multi-Corporate-Accelerators, die von mehreren Unternehmen gemeinsam finanziert werden Diese Zusammenarbeit bringt verschiedene Vorteile: Die Kosten pro Partner sinken, Investitionsrisiken werden gestreut und die Kontaktfläche zu innovativen Startups verbreitert sich. Die teilnehmenden Startups wiederum können sich bei Kooperationen und bei der Investorensuche relativ frei im Markt bewegen. Der Multi-Corporate-Ansatz fördert zudem die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Vor dem Hintergrund der durch die Digitalisierung zunehmend verflüssigten Branchengrenzen können sich die Investoren flexibel zusammenfinden und ihre Interessen aufeinander abstimmen.

Innovation trifft Tradition: Konzentriertes Arbeiten im historischen Lagerhaus in der Hamburger Speicherstadt

In Hamburg sind mehrere Multi-Corporate-Programme am Start. Zu dem bereits sehr erfolgreichen, von der Deutschen Presseagentur initiierten, Next Media Accelerator www.nma.vc hat sich ein baugleiches Programm für Handelsthemen gesellt. Dabei werden die Branchengrenzen bewusst weit gefasst. Beim Next Commerce Accelerator www.nca.vc reicht das Portfolio von klassischen E-Commerce-Geschäftsmodellen hinein in die angrenzenden Bereiche Services, Advertising und Technology.

Wir sprachen mit Andreas Mansfeld, Haspa Direktor und Initiator des Next Commerce Accelerator, über die Motivation der Haspa.

Andreas Mansfeld und sein Team vernetzt seine Unternehmenskunden mit den Startup-Unternehmern des NCA

Welche Rolle spielt der Standort Hamburg? Die Hansestadt Hamburg hat eine erhebliche Anziehungskraft. Das
sehen wir bei der Suche des Managements, aber auch am Interesse der
Startups. Dazu kommen die starken ansässigen Unternehmen in diesen
Clustern.


Wie reagieren denn die etablierten Unternehmen auf die neue
Konkurrenz?

Die Zeit des Konkurrenzdenkens – Alt gegen Neu – ist vorbei. Die Veränderungsdynamik der Digitalisierung wird heute von fast allen
Unternehmen akzeptiert. Auf der Suche nach konstruktiven Lösungen
ist die Bereitschaft zur Kooperation sehr hoch.


Wie laufen solche Kooperationen in der Praxis?
Für die Hamburger Handels- und Logistikhäuser bieten die beiden
neuen Acceleratoren vielfältige Beteiligungsoptionen: Sie können als
Investor, Sponsor oder Mentor aktiv werden, eigene Fragestellungen
einbringen und sich so am Entwicklungsprozess der Startups
beteiligen. Sie bekommen Zugang zu Ideen sowie aktuellen Diskursen
und stärken auf diese Weise ihre Zukunftsfähigkeit.


Was passiert nach dem Accelerator?
Dann zeigt sich, ob die Beschleunigung und das Coaching erfolgreich
war. Für die meisten Startups geht es in eine neue
Finanzierungsrunde, in die natürlich auch die Gesellschafter und
Partner mit einsteigen können. Und wenn es ganz toll läuft, lassen
sich die Startups in Hamburg nieder und stärken den Standort.


Was ist die Idee der Hamburger Accelerators?
Ausgewählte Gründer-Teams kommen für sechs Monate nach Hamburg, um dort unter Idealbedingungen ihr Wachstum voranzutreiben. Sie bekommen bis zu 50.000 Euro Beteiligungskapital, Zugang zu potenziellen Kunden und Geschäftspartnern, ein maßgeschneidertes Trainings- und Coachingprogramm und vieles mehr. Im Gegenzug geben die Startups Unternehmensanteile zwischen drei und acht Prozent an die Gesellschafter ab.


Warum nun das Thema Handel?
Diese beiden Branchen sind für Hamburg essentiell. Genauso wichtig
ist es aber, im Wettbewerb um die besten Startups ein weltweit
einmaliges Angebot zu schaffen. Wir haben die aktuelle
Accelerarator-Landschaft genau analysiert und unsere Programme
punktgenau ausgerichtet.


Welche Rolle spielt die Haspa?
Wir sind auf allen Ebenen aktiv, als Gesellschafter und Mentor, aber
auch als Kontaktschmiede. Wir vermitteln den Startups die richtigen
Kontakte aus unserem Kundenkreis und unseren Netzwerken.
Können sich noch weitere Unternehmen beteiligen?
Auf jeden Fall. Wir freuen uns über jeden Partner. Kontakt gerne per
Mail an andreas.mansfeld@haspa.de

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