Aufatmen mit Breeze Technologies

Mit kleinen Sensoren und viel technischem Knowhow ging Breeze Technologies 2015 an den Start. Die Mission: Städten, Kommunen und Unternehmen zu helfen, die Luftqualität zu verbessern. Was als Start-up in Rothenburgsort begann, agiert heute als internationales Unternehmen in neun Ländern. Der Gewinner des Hamburger Gründerpreis hat nun auch den “Future Hamburg Award” eingesammelt.

Wenn es schnell gehen muss, ist das Haspa StartUp-Center offenbar nicht die schlechteste Adresse: „Wir hatten uns 2015 mit unserer Idee bei einem EU-Förderprogramm beworben und eine kurzfristige Zusage erhalten. Innerhalb weniger Tage mussten wir eine GbR anmelden und natürlich ein Konto eröffnen“, erzählt Gründer Robert Heinecke. Mit der Flexibilität der Haspa habe das quasi über Nacht funktioniert. „Bei einer anderen Bank sagt man uns, dass das bis zu vier Wochen dauern würde“, berichtet der 30-jährige Unternehmer. Und so konnten er und seine Mitstreiter mit den frisch eingeworbenen Fördermitteln loslegen.

Die IT-ler entwickelten kleine Sensoren, die sämtliche Schadstoffe des Europäischen Luftqualitätsindexes in der Luft messen. Diese werden über einen längeren Zeitraum ausgewertet und liefern durch die nachgelagerte Software exakte Daten, mit denen Maßnahmen und Empfehlungen erstellt werden können. Robert: „Ich hatte während des Studiums eine Zeit in Istanbul gelebt und dort hautnah erfahren, wie sich Smog auf die Umwelt auswirkt. Damals beschloss ich, dass ich etwas dagegen unternehmen muss.“

Luftverschmutzung mit modernen Technologien messen

Hamburgs Luftqualität hat noch viel Verbesserungspotenzial
Photo by Alexander Bagno on Unsplash

Der studierte Informatiker recherchierte und entdeckte schnell, dass ein Großteil der Technologien, die Städte auch heute noch nutzen aus den 1970er Jahren stammen. Wer die smarten Sensoren von Breeze Technologies mit den grünen Messklötzen auf der Stresemannstraße und der Max-Brauer-Alle vergleicht, kann sich unschwer vorstellen, dass dazwischen Welten liegen. „Wir wollen, dass die Technologie des 21. Jahrhunderts auch im Kampf gegen die Luftverschmutzung ankommt. Schließlich ist sie die größte Umweltgefahr unserer Zeit, neun von zehn Menschen weltweit leben in Regionen mit verschmutzter Luft“, erläutert Robert.

Genau das sei der Motor aller, die mittlerweile bei Breeze Technologies arbeiten, aktuell 15 Kolleg:innen: „Wir wollen das Problem Luftverschmutzung nachhaltig beseitigen!“ Nachhaltig ist das gesamte Unternehmenskonzept von Breeze Technologies. Die Sensoren werden nach dem Leasingprinzip vermietet und können so immer wieder eingesetzt werden, auch die Finanzierung ist solide und nicht auf Pump ausgerichtet. „Wir haben von Anfang an daraufgesetzt, uns durch Kundenumsätze zu finanzieren – und das hat funktioniert“, so Robert. Netzwerken, Leute kennenlernen und Aufmerksamkeit zu erzeugen, seien dafür unerlässlich.

Bestens vernetzt von Hamburg in die Welt

Auf einer Start-up-Veranstaltung der Plattform „Gründerszene.de“ lernte Robert Heinecke Stefanie Huppmann vom Haspa StartUp-Center kennen. „Wir sind über E-Mail und telefonisch in Kontakt geblieben und Steffi hat uns eine ganze Weile begleitet und mit Einladungen zu weiteren Netzwerktreffen unterstützt. Besonders die Kontakte zu mittelständischen Unternehmen waren ein klasse Support.“

Vielfältige Anwendungsmöglichkleiten: Gemeinsam mit Proximi.io entwickelt Breeze Technologies einen mobilen Routenplaner, der auch die Luftqualität an der Strecke berücksichtigt. (Foto Breeze)

Auch wenn die Stadt Hamburg noch keinen Großauftrag erteilt hat, konnten die Unternehmer einige Projekte in Hamburg realisieren, u.a. Messungen in Zusammenarbeit mit dem Stadtteilrat Rothenburgsort und ein Projekt mit dem Naturschutzbund (NABU): „Wir haben über längere Zeit ein Luftmessnetz entlang der Elbe betrieben. Mit Bürgerbeteiligung, also Hamburgerinnen, die ihre Balkone und Terrassen entlang der Elbe für Sensoren zur Verfügung stellten. Die Daten wurden beim NABU, aber auch auf dem Bürgerportal veröffentlicht. Das hat die teils alarmierende Werte von Feinstaub ans Licht gebracht und den Druck auf die Regierung erhöht.“

Andere Städte und Länder seien da einen Tick weiter: „In Neckarsulm messen wir beispielsweise schon seit Jahren und haben dort einen ganzen Maßnahmenkatalog vorgelegt, zum Beispiel die Empfehlung zur Parkraumbewirtschaftung und zum aktiven Umweltmanagement auf Baustellen. Und natürlich können wir jetzt mit unseren Sensoren messen, ob und wie diese Maßnahmen wirken.“ Breeze Technologies wird bereits in mehreren EU-Ländern genutzt, rennt aber aktuell auch in den USA offene Türen ein. „Das war erstaunlicherweise auch unter Trump schon der Fall. Aber durch die neue Regierung bekommen wir natürlich noch mehr Rückenwind.“

Preise für eine bessere Zukunft und ein Tipp für alle, die gründen wollen

Der 1. Preis des „Future Hamburg Award“ der Stadt Hamburg ermöglicht Breeze Technologies jetzt einen weiteren Schritt ins internationale Nachhaltigkeits-Business. Denn mit dem Gewinn geht es unter anderem ins Silicon Valley zum Netzwerken. Aber auch in Hamburg können die Gewinner mit einem maßgeschneiderten dreitägigen Programm der hiesigen Startup-Unit neue Projekt anschieben und Investoren auf sich aufmerksam machen.

Auszeichnungen sorgen für Bekanntheit und neue Kontakte: Sascha Kuntze und Robert Heinecke von Breeze Technologies feiern mit ihren Haspa-Beraterinnen Stefanie Huppmann und Svenja Friedrich den von der Haspa initiierten Hamburger Gründerpreis in der Kategorie Existenzgründer

„Wir haben neben einigen anderen Auszeichnungen auch den Hamburger Gründerpreis gewonnen, den die Haspa seit vielen Jahren zusammen mit Partnern verleiht. Schon das hat einen ordentlichen Schub gegeben. Jetzt hoffen wir – Hallo Hamburg! – das immer mehr Städte und Länder unser Angebot nutzen.“ Stefanie Huppmann, Leiterin des Haspa-StartUp-Centers und langjährige Begleiterin von Breeze Technologies, ist überzeugt: „Metropolen wie Hamburg sind ein Versuchslabor für nachhaltige Entwicklungen und damit ideales Terrain für Geschäftsmodelle wie Breeze. Das unterstützen wir bei der Haspa gern – und aus Überzeugung!“

Hat Robert als erfahrener Gründer noch einen Tipp für Menschen, die ihre Idee in die Tat umsetzen wollen? „Raus aus dem Elfenbeinturm! Behaltet Eure Ideen nicht für Euch, geht raus, vernetzt Euch, macht Fehler. Als Start-up habt Ihr den Bonus, das auch mal was schiefgehen kann. Und guckt unbedingt mal beim Haspa Start-up Center vorbei!“


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