Geschäftserfolg kennt kein Alter

Veronika Simon hat mit Anfang 50 das Modeunternehmen Invero Merino gegründet, das seit Jahren mit Bekleidung aus feinster Merino Wolle wächst. Begleitet wird die Firma von der Hamburger Sparkasse.

Vom Dreieckstuch, Schal bis zum großen Plaid – wenn Veronika Simon Besuchern ihre Strick-Kollektionen präsentiert, ist sie in ihrem Element. „Unser größter Verkaufsschlager sind unsere im klassischen Lochmuster gestrickten Dreieckstücher Susi“, verrät die Geschäftsfrau. Das flauschige Accessoires ist in vielen Farben erhältlich – von Granat, Atlantik bis Lago, und seit neuestem auch in Sonderfarben wie Moos, Cognac, Dunkeloliv oder Chili. Dabei sind die 140 mal 200 cm großen Stricktücher bei Jung und Alt beliebt. „Unsere Zielgruppe sind Frauen zwischen 20 bis 90 Jahren“, betont die Firmenchefin.

Veronika Simon, Gründerin und Geschäftsführerin der Invero GmbH in Geesthacht

Simon ist geschäftsführende Gesellschafterin des Modeunternehmens Invero Merino aus dem schleswig-holsteinischen Geesthacht, das vor den Toren Hamburgs liegt. Das Unternehmen beschäftigt 13 Mitarbeiter. Sie designen, schneiden, nähen, konfektionieren und verpacken die Strickwaren und Kollektionen aus feinster Morino-Wolle auf 1200 Quadratmetern, damit sie gut beim Kunden ankommt. „Mit Sorgfalt, handwerklichem Know-How und Fantasie verarbeiten wir schönste Naturmaterialien zu einer Mode, die zum Menschen passt und zeitlos im Trend liegt“, beschreibt Simon das Erfolgskonzept ihres Unternehmens. Chefdesignerin ist ihre Schwester Barbara. Sie entwirft die Strickmuster und einmal im Jahr eine Kollektion, die sie auf den Modemessen präsentieren. Simon: „Meine Schwester hat das richtige Gespür für Trends und Farben. Sie weiß genau, was bei den Kundinnen ankommt“. Dazu holt sie ihre Inspirationen bei ausgedehnten Spaziergängen mit ihren Hunden in freier Natur.

Merinoschaf-Garn stammt aus dem Piemont

Ausgangsstoff für die Strick-Kollektionen ist ein feines Garn. Dies bezieht Simon vor allem aus Tollegno, einer kleinen Gemeinde aus dem norditalienischen Piemont. „Die Wolle von Merino-Schafen ist deutlich weicher und flauschiger als von heimischen Schafen“, so die Firmengründerin. Verarbeitet wird das Garn in zwei Strickereien in Osnabrück zu großen Stoffballen, die dann im Geesthachter Betrieb zugeschnitten werden. Sind die Strickwaren versandbereit, werden sie über den Fachhandel vertrieben. „Wir beliefern in Deutschland mehr als 1600 Einzelhändler“, betont die Geschäftsführerin. Doch auch im Ausland hat die Mittelständlerin Abnehmer – darunter in der Schweiz, Niederladen, Schweden oder Österreich. Simon: „Rund 70 Prozent des Umsatzes erzielen wir in Deutschland, der Rest geht ins Ausland“. Und das Familienunternehmen ist weiter auf Expansionskurs. „Die Nachfrage nach unseren farbenfrohen Kollektionen nimmt von Jahr zu Jahr zu“, unterstreicht sie.

Geboren wird Veronika Simon 1947 in Imst, im Herzen von Tirol. Ob Garne, Maschen oder Stricknadeln – bereits von Kindesbeinen an fasziniert sie die handwerkliche Herstellung von Textilien. „Ich habe mit 13 Jahren die erste Babygarnitur für meinen Bruder gestrickt“, erinnert sich Simon rege. Mit ihrer Schwester Barbara gründet sie Jahre später in der Hamburger Innenstadt ein angesehenes Wollgeschäft, das unter dem Namen „Simona“ stadtbekannt wird. Simons Schwester übernimmt den kreativen Part, entwirft Handstrickmodelle, die auch in vielen Modezeitschriften erscheinen. Hinzu kommen Modelle für Modenschauen. „Dieses Team sind wir, in etwas abgewandelter Form auch heute noch, das ist vielleicht auch das ganz besondere Erfolgsgeheimnis von invero“, betont Simon.

Doch 1985 steigt die Geschäftsfrau aus dem Einzelhandel aus. Als alleinerziehende Mutter von drei Kindern arbeitet sie zunächst einige Jahre branchenfremd im Außendienst. Doch die Welt der Strickmode lässt sie nicht los. Gut zwei Jahre ist sie für eine große Strickerei in Norddeutschland tätig. Dort lernt sie viel über die industrielle Produktion von Strickwaren. „Es war für mich eine sehr wichtige Erfahrung und hat mir geholfen, danach meinen Traum zu erfüllen.“

Durchstarten mit 50 dank Haspa-Kredit

Als 50-Jährige wagt sie dann mit einer kleinen Erbschaft und nach dem Auszug ihrer Kinder noch einmal den Schritt in die Selbstständigkeit. Sie gründet im Jahr 2000 Invero Merino. Mit viel unternehmerischem Gespür und Feinsinn baut sie den Betrieb in den nächsten Jahren kräftig aus. Bis dahin spielt ihr Alter bei Finanzierungsfragen keine Rolle. Als sie jedoch 2011 ihre ehemalige Hausbank um einen Kredit für den Kauf eines Bauernhauses in Hamwarde nahe des Firmensitzes bittet, wiegelt die Hamburger Privatbank ab. Sie ist nicht bereit, den Finanzierungswunsch der Unternehmerin in den mittleren Lebensjahren zu erfüllen. Und das, obwohl sie glänzende Geschäftsbilanzen vorlegen kann. „Die Bank wollte mir keinen Kredit gewähren, weil ich für sie zu alt war“, entrüstet sich Simon heute noch.

Sie kappt abrupt die Geschäftsbeziehung zu ihrer langjährigen Hausbank und fragt bei der Hamburger Sparkasse nach. Die empfängt Simon mit offenen Armen. Kaum hat sie den Darlehensantrag an die Haspa abgeschickt, bekommt sie bereits nach drei Wochen die Zusage.

„Für mich war die Sache klar: ich musste helfen. Die Unterlagen waren hervorragend, die Auftragsbücher gut gefüllt und durch das Orderprogramm bestand Planungssicherheit bis in das nächste Geschäftsjahr hinein“, erinnert sich Haspa-Firmenkundenbetreuer Niels Schröder. Dabei stand das Alter der Darlehensnehmerin nicht zur Diskussion. „Geschäftserfolg ist keine Frage des Alters. Deshalb sollten gute Geschäftsideen auch nicht an der Finanzierung scheitern“, betont der Kundenberater.

Haspa-Berater Niels Schröder: Ertragreiche Marktnische klug ausgebaut

Über 10 Jahre lang ein gut eingespieltes Team: Firmengründerin Veronika Simon mit Haspa-Firmenkundenberater Niels Schröder

Schröder findet zudem das unternehmerische Konzept der norddeutschen Firma schlüssig, die mit ihren qualitativ hochwertigen Strickwaren genau den Nerv ihrer Kundschaft trifft. „Invero Merino hatte sich eine ertragreiche Marktnische erschlossen und sie klug ausgebaut“, sagt der Firmenkundenbetreuer. Doch auch vom geschäftlichen Spürsinn der Unternehmerin ist Schröder angetan: „Die Gründerin selbst überzeugte mit viel Energie und Elan. Wir hatten gleich einen guten Draht zueinander. Ich fand die Unternehmensentwicklung, trotz des späten Schrittes in die Selbstständigkeit, beachtlich“, so der Firmenkundenbetreuer. Inzwischen ist die Haspa seit vielen Jahren Finanzierungspartner des Unternehmens. „Insgesamt ein rundum stimmiges Konzept, das wir mittlerweile seit über 10 Jahren begleiten dürfen. Die Pläne sind in dieser Zeit immer wieder übertroffen worden“, betont Simons langjähriger Haspa-Kundenberater.

Invero Merino ist eines von 60.000 Firmenkunden der Hamburger Sparkasse. Mit einem Kreditbestand von rund 36 Milliarden ist die Haspa die größte Kreditgeberin für den Mittelstand in Norddeutschland. Dabei ist die Mittelstandsbank im Firmenkundengeschäft auf vielen Feldern aktiv – unter anderem mit Kontokurrentkrediten. Davon profitiert auch Invero Merino. „Die Haspa ist ein verlässlicher Finanzierungspartner. Sie erhöht seit Jahren problemlos unseren Überziehungsrahmen, wenn saisonbedingt in den Sommermonaten der Verkauf von Strickwaren rückläufig ist, aber die Kosten weiterlaufen“, lobt Simon.

Haspa zeigt Einsatz auch während der Pandemie

Auch in der Corona-Phase, in der viele Einzelhandelsgeschäfte Anfang des Jahres 2020 ihre Türen schließen müssen, ist die Sparkasse zur Stelle. „Die Haspa hat sich dafür eingesetzt, dass wir in der Hochphase der Corona-Pandemie von der KfW schnell einen Kredit als Überbrückungshilfe bekommen haben“, so Simon. Auch künftig dürfte die Firmenchefin auf die Hamburger Sparkasse als Ratgeber und Finanzierungspartner setzen. Denn Simon ist dabei, den Generationswechsel vorzubereiten. Geplant ist, dass ihre Tochter Alexandra und ihre Schwester Barbara das Modehaus langfristig weiterführen. Beide sind bereits mit jeweils 20 Prozent an Invero Merino beteiligt. Noch denkt die Firmengründerin aber nicht ans Aufhören. Gerne geht die heute 74-Jährige jeden Tag ins Büro, um ihr Unternehmen weiterzuentwickeln. Denn für Simon zählt beruflich nur eins: „Invero Merino – das ist mein Lebenswerk“

Text: Gregrory Lipinski / Sparkassen Zeitung

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