Für die Anderen

Etwas zurückgeben. Das ist Julia Warnecke wichtig. Dass sie aus einer eher wohlhabenden Familie stammt, empfindet die 38-Jährige manchmal als ungerecht. „Ich bin sehr dankbar, dass es mir so gut geht und möchte einen Beitrag leisten.“ Das macht die Frau mit dem herzlichen Lachen bei „tatkräftig“. Ein Verein, der seit zehn Jahren das freiwillige Engagement in Hamburg fördert und sich für mehr Miteinander einsetzt.

Ein Team. Ein Tag. Ein Ziel. So lautet das Motto des Vereins. „Es geht darum, sich auch mit wenig Zeit als Gruppe engagieren zu können.“ Manche Freiwillige kommen nur einen einzigen Tag. „Die meisten sind aber Wiederholungstäter“, sagt Julia lachend. Zum Teil melden sich Privatpersonen an, zum Teil Unternehmen. Sie können für ihren freiwilligen Einsatz zum Beispiel einen Zeitpunkt, einen Stadtteil und eine Zielgruppe wählen. Manche wollen mit Familien schwerkranker Kinder im Krankenhaus kochen, andere Senioren oder Menschen mit Behinderung unterstützen.

HASPA und MOPO suchen die “Bessermacher”: Hier: Julia Warnecke (38), Vorstandsmitglied “Tatkräftig e.V.”

Für Freiwillige, die sich fürs Klima engagieren möchten, hat der Verein 2020 zusätzlich „tatkräfig fürs Klima“ ins Leben gerufen. Bei den Aktionen wird mal Müll gesammelt, mal werden neue Hecken oder Bäume gepflanzt oder Bienenhotels gebaut. „Die meisten Menschen sind überfordert mit dem großen Thema Klimawandel. Hier können sie ganz gezielt einen kleinen, persönlichen Beitrag vor ihrer Haustür leisten“, sagt Julia.

Den Verein gegründet hat ihre Kollegin Miriam Schwartz. Nach dem Studium kam die Frau nach Hamburg. Sie wollte sich engagieren, hatte jedoch nicht viel Zeit und keinen Überblick über all die Möglichkeiten. Das war vor zehn Jahren. Mittlerweile haben sich knapp 7000 Freiwillige bei fast 900 Einsätzen engagiert. Der Verein arbeitet mit mehr als 200 gemeinnützigen Institutionen zusammen, die ihre Bedarfe mitteilen – „tatkräftig“ sorgt für die freiwilligen Helfer. Häufig auch Einzelpersonen, die zu einem Team zusammen- gestellt werden. Wenn Unternehmen einen Aktionstag machen wollen, erhebt der Verein eine Gebühr – je nach Umfang des Einsatzes und Firmengröße. „Damit und durch Spenden und Fördermitglieder finanzieren wir uns.“ Neun Hauptamtliche arbeiten in Teilzeit für „tatkräfig“, zusätzlich etwa 30 Ehrenamtliche.

Manchmal fühle ich mich schlecht, weil ich weiß, ich könnte noch mehr im Alltag verändern.

Julia Warnecke

Julia ist inzwischen hauptamtlich in der Öffentlichkeitsarbeit und als Vorstandsmitglied tätig. Angefangen hat sie 2015 im Rahmen ihres Bundesfreiwilligendienstes. Vorher hatte sie Kulturwissenschaften in Lüneburg studiert und war längere Zeit auf der Suche nach dem richtigen Job. Es ging von Praktikum zu Praktikum. Gefolgt von ei- nem Volontariat in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit eines Verlags. Julia lacht. Zwischendurch habe sie dann auch noch mal in einer Buchhandlung gearbeitet. Aber irgendwie passte das alles nicht. Julia haute eine Bewerbung nach der anderen raus. „Am Ende warenes mehr als hundert.“ In einem Job-Newsletter stieß sie zufällig auf „tatkräftig“. „Das Konzept hat mich total angesprochen. Da ich zu dem Zeitpunkt sowieso nichts Anderes hatte, wollte ich mich ehrenamtlich engagieren.“

Die beste Entscheidung. Schon ihr erstes Projekt war eines ihrer liebsten. Ein Tag bei der Arche in Jenfeld. Eine Firma hatte einen Bastel- und Spielnachmittag mit verschiedenen Stationen ermöglicht. „Das Strahlen der Kinder war unglaublich schön“, sagt Julia mit stockender Stimme. Noch immer ist die Mutter einer drei-jährigen Tochter gerührt. „Kinder bewegen mich am meisten. Ich werde aber immer etwas sentimental, wenn ich über tatkräftig rede“, sagt sie lachend und winkt ab. Nicht nur das Strahlen der Menschen, denen sie geholfen haben, ist für sie etwas Besonderes. Auch das der Freiwilligen. Anfangs denken viele, man könne an einem Tag nicht viel bewegen. Wenn sie das Ergebnis ihres Einsatzes sehen, sind die Helfer häufig überwältigt. Viele von ihnen haben ein Gefühl von Demut. Auch Julia. „Wenn man manche Menschen in
den Einrichtungen erlebt und sieht, mit welchen Problemen sie teilweise zu kämpfen haben, wird einem wieder bewusst, was für ein privilegiertes Leben man selbst führt.“ Raus aus der eigenen Komfortzone, neue Menschen, neue Lebenssituationen – das ist das, was Julia neben der großen Verbundenheit im Team an der Arbeit besonders schätzt. Und auch der Zugang zu neuen Themen wie Klimaschutz.

Nachhaltigkeit hat lange Zeit keine größere Rolle in Julias Leben gespielt. Durch den Verein hat sie sich stärker mit dem Thema beschäftigt. „Mein Bewusstsein hat sich dadurch gewandelt. Manchmal fühle ich mich aber noch schlecht, weil ich weiß, ich könnte noch mehr in meinem Alltag verändern.“ Zwar fährt Julia kein Auto und würde auch nicht mehr auf die Idee kommen, für ein Wochenende in eine andere Stadt zu fliegen, aber komplett aufs Fliegen verzichten – das schafft sie nicht. Dass sie mit ihren Projekten den Zugang zu einem nachhaltigeren Leben ermöglichen – damit sei aber auch schon ein wichtiger Schritt getan.

Freiwillige besser koordinieren

Gutes verdient Unterstützung. Mit der Aktion „Die Bessermacher“ wollen wir nicht nur engagierte Menschen zeigen. Die Vereine bekommen auch finanzielle Hilfe und langfristige Unterstützung. Der Verein „tatkräftig“ wünscht sich neue Notebooks, um die Freiwilligen effizienter erreichen und koordinieren zu können. Die Haspa kümmert sich um die Finanzierung mit Fördermitteln aus dem „Haspa LotterieSparen“.

Die Haspa-Filiale in Borgfelde wird deshalb Pate für den Wunsch. „Das Konzept, anderen zu helfen, Gutes zu tun, finden wir super. So kann man richtig was bewegen“, sagt Filialdirektorin Andrea Jeschke.

Von WIEBKE BROMBERG (Text)
und FLORIAN QUANDT (Fotos)

Vorheriger ArtikelAus Überzeugung bunt

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Mehr von dem Autor

Ähnliche Artikel

Letzte Beiträge

Für die Anderen

Julia Warnecke packt mit ihrem Verein „tatkräftig“ dort an, wo Hilfe gebraucht wird. Die Haspa Borgfelde unterstützt mit neuer IT-Ausstattung.

Aus Überzeugung bunt

Die Haspa versteht sich als Bank für alle Hamburger:innen. Dazu gehört eine Unternehmenskultur der Vielfalt und Toleranz nach innen und außen.

Alte Sorten, neues Leben

Lars Warnke schmiss seinen Erzieher-Job und machte aus einer alten Gärtnerei einen Erlebnishof für Kinder. Die Haspa Volksdorf steigt als Förderer ein.