Die richtige Alternative

An manchen Tagen fällt es ihr noch schwer zur Arbeit zu gehen. Da möchte Helene Pinsuwan (32) ihren Mann und die acht Monate alte Tochter nicht alleine lassen. Doch der Wunsch, etwas zu verändern, ist größer. Helene arbeitet für „Gaia“. Ein Unternehmen das Wachstücher als Alternative zu Plastikfolien herstellt. Und sie ist Vorsitzende von „Gaia Hive“. Ein Verein, der durch Aufklärung an Schulen und in Unternehmen zum Umwelt- und Klimaschutz beiträgt.

Angefangen hatte es vor vier Jahren mit Lucas Grunhold. Um etwas gegen die Plastikflut zu unternehmen, hatte er in seiner Küche Bienenwachstücher hergestellt und auf Märkten verkauft. Die kamen so gut an, dass er gemeinsam mit zwei Mitstreitern das Unternehmen „Gaia“ gründete. Neben dem Verkauf der Tücher wurden auch Workshops angeboten. Damit nicht der Eindruck entsteht, dass es nur um Werbung für die Firma geht, wurde vor etwas über einem Jahr der Verein „Gaia Hive“ gegründet. „Wir wollten die Firma und die Kurse trennen, um zu zeigen, dass uns der Bildungsauftrag sehr wichtig ist“, sagt Helene.

Helene Pinsuwan (32), Vorstand und Gründerin von “Gaja”

Der Verein hat bereits mehr als 100 Workshops zum Thema Plastik an Schulen und in Unternehmen veranstaltet. Woher kommt Plastik? Welche verschiedenen Herstellungsprozesse gibt es? Welche Produkte? Und wie lang braucht welches Plastikteil, bis es zersetzt ist. „Plastikflaschen oder Windeln brauchen besonders lange, bis sie sich aufgelöst haben. Und selbst wenn sie es haben, bleibt immer ein Rest übrig“, sagt Helene, die vor zweieinhalb Jahren im Unternehmen anfing.

Nach ihrem Studium dernachhaltigen Wirtschaft in der Nähe von Bonn, wollte Helene unbedingt zurück in ihre Heimatstadt. Im Internet fand die junge Frau einen Aushilfsjob bei „Gaia“. In der Produktion. Und so fertigte Helene die Tücher aus Baumwollstoff, Bienenwachs, ein wenig Jojobaöl und Baumharz. Nach drei Monaten stieg sie im Büro mit ein und kümmerte sich gemeinsam mit ihrer Kollegin Eni Rahlf um die Gründung des Vereins.

Heute ist Helene bei „Gaia“ für Personal, Vertrieb und Buchhaltung zuständig. Zudem ist sie ehrenamtliche Vorsitzende des Vereins. Sie ist stolz darauf, einen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz zu leisten. „Man kann mit kleinen Veränderungen im Alltag schon viel bewirken.“ Ein mitgebrachter Beutel beim Einkaufen. Abwaschschwämme aus nachwachsenden Rohstoffen.

Wasser aus der Leitung oder zumindest aus Glasflaschen. „Und auch das Thema Kleidung ist wichtig. Alle Mischtextilien enthalten Plastik.“ Klar, Helene weiß, dass sich viele Menschen reine Naturprodukte nicht leisten können. „Doch die, die es können, sollten drauf achten.“ Und Menschen mit wenig Geld könnten an anderer Stelle nachhaltiger einkaufen. „Auch beim Discounter kann man unverpacktes Gemüse kaufen. Es geht einfach nur darum, zu versuchen, eine Alternative zu finden.“

Für Helene ist Nachhaltigkeit im Alltag wichtig. Dabei ist sie aber nicht dogmatisch. Sie isst Fleisch, aber höchstens einmal die Woche. Sie hat kein Auto, nutzt ab und an aber auch mal ein Sharing-Fahrzeug. „Ich hinterfrage, was ich tue, aber ich verbiete mir nicht immer alles.“ Fliegen ist zum Beispiel so ein Thema. Helene achtet darauf, nicht zu viel zu reisen. „Ich
fühle mich aber auch nicht schlecht, wenn ich mal fliege.“ Zumal ihre Familie in Thailand lebt. Vor sieben Jahren sind ihre deutsche Mutter und ihr thailändischer Vater, beide Lehrer aus Ottensen, ausgewandert. Auch Helenes Bruder lebt mittlerweile bei ihnen. Um ihre „Umweltsünden“ zu kompensieren, achtet Helene darauf Kleidung Second-Hand zu kaufen, Möbel selber zu bauen und Lebensmittel zu retten. Ihr Mann ist Foodsaver beim Verein „Foodsharing“. Zweimal die Woche zieht er durch Geschäfte. „Er muss alles mitnehmen, was da ist. Dann hat er eine riesige Tüte mit Gemüse, das nicht mehr so hübsch aussieht.“ Egal. Helene macht daraus Pesto, Suppen oder wie kürzlich vier Kilogramm Apfelkompott.

Dass es schwerer ist, nachhaltig zu leben, als nicht nachhaltig, ärgert Helene sehr. „Ich kann nicht begreifen, dass man ich derart damit auseinandersetzen muss, was man kaufen kann, um die Umwelt und das Klima zu schützen. Und dass man sich Nachhaltigkeit leisten können muss.“ Warum müssen Bioprodukte teurer sein? „Das könnte man einfach mit dem Steuersatz ausgleichen.“ Die Firmen, die nachhaltige Produkte herstellen, zahlen weniger Steuern, weil sie etwas Gutes tun. „Und die, die schnell und billig produzieren, müssen dann halt dafür bezahlen, dass sie die Umwelt belasten.“

Für Helene eine klare Sache. Eigentlich wäre es einfach, etwas zu verändern.

Ein Lastenfahrrad für die Plastik-Aufklärung

Gutes verdient Unterstützung. Mit der Aktion „Die Bessermacher“ wollen wir nicht nur engagierte Menschen zeigen. Die Projekte bekommen auch finanzielle Hilfe und langfristige Unterstützung.

„Gaia Hive“ wünscht sich ein Lastenfahrrad, um damit das Material zu den Workshops transportieren zu können. Die Haspa kümmert sich um die Finanzierung mit Fördermitteln aus dem „Haspa LotterieSparen“.

Die Haspa Ottensen wird Filialpate. „Im Kampf gegen die Plastikflut ist noch viel zu tun“, sagt Filialdirektorin Claudia Lempa. „Gaia Hive geht die Sache an. Das unterstützen wir sehr gerne.“

Von WIEBKE BROMBERG (Text) und FLORIAN QUANDT (Fotos)

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